Südkurier   11.07.2008


Am Anfang zählt jede Minute


Ein Schlaganfall kann jeden treffen - egal wie alt und wie sportlich er ist. Es gibt aber gewisse
Faktoren, die das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöhen, so Professor Joachim
Liepert, Ärztlicher Leiter der Neurorehabilitation der Kliniken Schmieder. Er war Referent beim
VS-Forum zum Thema "Schlaganfall", gemeinsam mit dem Sportler Alexander Leipold, der von
seinem persönlichen Erfahrungen nach drei Schlaganfällen berichtet hat. So ist das Risiko für
Raucher zwei- bis fünfmal höher, einen Schlaganfall zu erleiden. Zu viel Alkohol, das Schlaf-
Apnoe-Syndrom, Übergewicht und Bluthochdruck sind weitere Risikofaktoren. Besonders stark
gefährdet sind Menschen, die unter dem sogenannten Vorhof-Flimmern des Herzens leiden.
Bei ihnen ist das Risiko um bis zu 17 Mal höher.

Was kann jeder vorbeugend tun, um sich vor einem Schlaganfall zu schützen? Joachim Liepert
nennt hier vor allem eine gesunde und ausgewogene Lebensführung: Durch regelmäßige Be-
wegung und gesunde Ernährung können Gefäßerkrankungen verringert werden. Wichtig sei es,
Risikofaktoren zu minimieren, den Blutdruck zu senken, Blutzucker müsse optimal eingestellt
werden. Bei der Ernährung empfiehlt Liepert mediterrane Kost mit viel Meeresfisch, Olivenöl,
Obst, Gemüse und Salat.

Wer dreimal die Woche eine Stunde Ausdauersport betreibt, bewegt seinen Körper nahezu
optimal. Allerdings müsse man darauf achten, dass 60 bis 80 Prozent der maximalen Herz-
frequenz erreicht werden. "Gemütliches Schlendern bringt nicht so viel."

Trotz aller Vorbeugung kann auch ein sportlicher Mensch einen Schlaganfall erleiden.
Alexander Leipold, mehrfacher Deutscher Meister im Ringen, spürte bei einer Wettkampf-
reise eine leichte Taubheit. Niemand dachte an einen Schlaganfall, erst eine Computer-
tomografie brachte Klarheit. Leipold kam in die Uniklinik Würzburg, erlitt dort seinen
zweiten und dritten Schlaganfall. "Wäre mir das zuhause passiert, säße ich heute im
Rollstuhl", macht der Ringer die Bedeutung einer schnellen Erstversorgung deutlich.
In den ersten drei Stunden könne noch nicht abgestorbenes Gehirngewebe gerettet
werden. Deshalb drängt Joachim Liepert auf eine schnelle Akutversorgung ohne zu
langes Warten:

"Bei einem Schlaganfall sollte sofort der Notarzt gerufen werden." (cho)