Südkurier  25.06.2008

Ein Betroffener erzählt

Jedes Jahr erleiden rund 200000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall.
Die Folgen sind oft dramatisch: Jeder Vierte stirbt innerhalb des ersten Jahres,
die Mehrzahl der Schlaganfall-Patienten muss mit Behinderungen wie Lähmungen,
Sprach- und Sehstörungen kämpfen. In seinem öffentlichen "VS-Forum" informiert
der SÜDKURIER in Zusammenarbeit mit den Kliniken Schmieder (Allensbach) über
das Thema Schlaganfall.

Am Mittwoch, 9. Juli, 20 Uhr, werden in der Neuen Tonhalle in Villingen Experten und Be-
troffene über das Thema Schlaganfall sprechen. Die beiden Hauptreferenten des Abends
sind Professor Joachim Liepert und der mehrfache Ringer-Weltmeister und Schlaganfall-
patient Alexander Leipold. Sie werden nach ihren Vorträgen in einer Gesprächsrunde Ver-
tretern der SÜDKURIER-Redaktion Rede und Antwort stehen.

Joachim Liepert ist Professor für Neurologie und seit Juni 2006 Ärztlicher Leiter Neuroreha-
bilitation der Kliniken Schmieder. Bevor er nach Allensbach kam, arbeitete er unter anderem
als leitender Oberarzt und Kommissarischer Direktor an der Neurologischen Klinik des Uni-
versitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Alexander Leipold ist zweifacher Weltmeister im Freistilringen und war Sieger der olympischen
Spiele 2000 in Sydney. Leipold erlitt 2003 auf einer Wettkampfreise einen Schlaganfall, dem
kurz darauf zwei weitere folgten. Von dem vorübergehenden Verlust der Sprech- und Be-
wegungsfähigkeit konnte er sich wieder erholen. Sein Motto: Wer kämpft, kann verlieren, wer
nicht kämpft, hat schon verloren.

Neurologisch erkrankte Menschen, vor allem von einem Schlaganfall Betroffene, versorgen die
Kliniken Schmieder seit über 57 Jahren. Jährlich werden 10.000 Patienten in den Kliniken
Schmieder an ihren sechs Standorten in Baden-Württemberg behandelt.

Neben neurologischen Erkrankungen oder Unfällen mit einer Schädigung des Gehirns handelt es
sich bei rund 60 Prozent aller Patienten der Kliniken um Schlaganfall-Patienten. Die Folgen einer
Hirnschädigung sind in den meisten Fällen komplex. Mehrere Funktionen des Gehirns können ge-
stört oder ausgefallen sein.

Nicht nur einzelne Funktionen sind verletzt, auch der Kern der Persönlichkeit. Diese Komplexität
der Schädigung erfordert den Einsatz von Ärzten und Therapeuten vieler Fachbereiche. Das
schlagartige Herausgerissensein aus dem gewohnten Leben, die Ungewissheit, ob und wie viel
davon wieder gewonnen werden kann, bedeuten eine enorme Verunsicherung.

Es gibt viele Risikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können, aber auch viele Prä-
ventionsmöglichkeiten. Und selbst nach einem Schlaganfall oder einer anderen Schädigung
des Gehirns besteht für die Betroffenen Hoffnung. Davon ist Professor Liepert überzeugt, und
neuere Ergebnisse der Hirnforschung unterstreichen dies auch. Denn das menschliche Gehirn
besitzt die Fähigkeit, neben Anpassungs- und Kompensationsmöglichkeiten, sich selbst neu zu
reorganisieren. (pap)

       Bilder: SK      
  Professor Joachim Liepert                                            Der mehrfache Ringer-
  spricht beim VS-Forum in                                            Weltmeister Alexander
    der neuen Tonhalle in                                             Leipold erlitt selbst einen
            Villingen                                                                 Schlaganfall