Deutsches Ärzteblatt   29.10.2008


Heidelberg/Wiesbaden


Neurologen kritisieren Abrechenbarkeit des Schlaganfalls in internistischen Abteilungen

Streit um die Behandlung von Schlaganfallpatienten gibt es zwischen Neurologen und Internisten.
Anlass ist der neue Fallpauschalenkatalog, nachdem die stationäre Behandlung des Schlaganfalls
auch in internistischen Abteilungen erlösrelevant geworden ist.

Der neue Katalog sieht eine neue Kodierung namens OPS die 8-98 b vor. Bisher konnte nur die OPS
8-981 abgerechnet werden, die aber nur unter fachlicher Leitung eines Neurologen kodiert werden
konnte.

„Der in der neurologischen OPS abgebildete Mehraufwand ist erheblich. Die neurologische
Schlaganfallbehandlung findet auf einem weit höheren personellen und diagnostischen Niveau statt“,
erklärte die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Die „internistische OPS“ sei dagegen eine
„Schlaganfallstation light“, ohne dass hierfür weniger gezahlt würde.

Therapeutisch sind die neurologischen Stroke Units laut DSG weitaus aktiver. Dies unterstützten
die Zahlen zu der für die Schlaganfallakutbehandlung bedeutsamen Thrombolyse der hessischen
Schlaganfalldatenbank aus dem Jahre 2006, die mehr als 95 Prozent aller Schlaganfallpatienten
in Hessen erfasse.

Danach wurden Schlaganfallpatienten mit stationärer Aufnahme innerhalb von drei Stunden nach
dem Akutereignis in Kliniken ohne Stroke Unit in nur sechs Prozent und in Kliniken mit Stroke Units
in 28 Prozent thrombolysiert.

„Abgespeckte Varianten der Schlaganfallversorgung helfen zwar kleinen Krankenhäusern, Erlöse
zu erzielen, verwässern aber die Qualität der vorbildlichen Schlaganfallversorgung in Deutschland
und nehmen vielen Patienten die Chance auf eine adäquate Versorgung“, kritisierte die DSG. 

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